Die Geschichte Österreichs

6. Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg

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NS-Propaganda vor der Volksabstimmung im April 1938
NS-Propaganda

1. „Anschluss“ an „Hitler-Deutschland“

Im März 1938 marschierten deutsche Soldaten in Österreich ein. Österreich wurde Teil des Deutschen Reiches. Im April 1938 fand dazu nachträglich eine Volksabstimmung statt. Bei dieser nicht freien Abstimmung stimmte die große Mehrheit der Österreicher/innen für den „Anschluss“ an Deutschland.

 

Es gab damals also sehr viele Befürworter/innen des „Anschlusses“ an Deutschland. Viele waren überzeugte österreichische Nationalsozialisten/ Nationalsozialistinnen. Andere erhofften sich durch den „Anschluss“ einen wirtschaftlichen Aufschwung oder zumindest ein Ende der Arbeitslosigkeit. Wieder andere hatten sich schon 1918 gewünscht, dass Österreich zu Deutschland kommen soll.

 

Es ist aber auch klar: Die Volksabstimmung war weder frei noch fair. Wer gegen den "Anschluss" war, musste mit Verfolgung durch die Nationalsozialisten rechnen.

>> Während der Zeit des Nationalsozialismus kam es zur politischen Unterdrückung, zu Zwangsarbeit und zur Ermordung von ganzen Bevölkerungsgruppen.

Nach dem "Anschluss" kam es zur Enteignung, Verfolgung und Ermordung ganzer Bevölkerungsgruppen. Dazu gehörten Juden, Roma und Sinti, Angehörige der slowenischen und der tschechischen Minderheit, Anhänger und Priester der christlichen Kirchen, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung und politische Gegner des Nationalsozialismus.

Etwa 120.000 österreichische Juden mussten fliehen. Etwa 70.000 österreichische Juden und circa 10.000 österreichische Roma und Sinti wurden in Konzentrationslager verschleppt und dort ermordet. Das größte Konzentrationslager in Österreich war Mauthausen (Oberösterreich). Dort wurden von 1938 bis 1945 insgesamt etwa 100.000 Menschen ermordet.

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Konzentrationslager (= KZ) Mauthausen (Oberösterreich)
Konzentrationslager Mauthausen

Mehr als eine Million Menschen aus anderen Ländern wurden während des Krieges gezwungen, auf dem Gebiet des heutigen Österreich zu arbeiten: Zwangsarbeiter/innen, Kriegsgefangene und Häftlinge aus Konzentrationslagern. Den Namen „Österreich“ gab es während des Nationalsozialismus nicht. Der Staat existierte nicht mehr. Das Land hieß nun „Ostmark“ und war Teil von „Hitler-Deutschland“. Viele Menschen unterstützten damals den Nationalsozialismus. Fast 700.000 Österreicher/innen traten der Nationalsozialistischen Partei (NSDAP) bei. Manche waren von dieser Partei begeistert, andere waren nur Mitläufer/innen.

 

Zugleich gab es aktiven Widerstand. Zehntausende Österreicher/innen kämpften zwischen 1940 und 1945 in der britischen, der amerikanischen und der sowjetischen Armee. Oder sie waren in Widerstandsgruppen gegen das NS-Regime. Rund 2.700 Österreicher/innen wurden als Widerstandskämpfer/ innen hingerichtet.

2. Der Zweite Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg begann mit dem Überfall Deutschlands auf Polen im September 1939. Bis 1941 eroberte und besetzte Deutschland große Teile Europas. Nach 1942 kam es zur Wende im Krieg: Die deutsche Armee wurde Anfang 1943 bei Stalingrad in der damaligen Sowjetunion (heute: Russland) vernichtend geschlagen. Im Sommer 1944 landeten britische und amerikanische Soldaten in Frankreich und erreichten bald die deutsche Grenze. Anfang 1945 stießen auch sowjetische Truppen bis nach Deutschland vor. Wien wurde im April 1945 von sowjetischen Truppen erobert und vom Nationalsozialismus befreit.

 

Im Mai 1945 kapitulierte Deutschland. In Europa war damit der Zweite Weltkrieg zu Ende. Während des Zweiten Weltkrieges hatten etwa 1,2 Millionen österreichische Soldaten in der deutschen Armee (= Wehrmacht) gekämpft.